FDP-Fraktion im Rat der Universitätsstadt Siegen

Digitale Ausstattung von Schulen

Herr Schmidt beantwortet die Fragen und bemerkt vorab, dass durch die gezielte Medienentwicklungsplanung des Schulträgers – aufbauend auf den Medienkonzepten der einzelnen Schule – Ausstattung und Pädagogik der Schulen aufeinander abgestimmt werden sollen. Mit den Schulen in Trägerschaft der Stadt Siegen ist abgestimmt, dass bis zum Schuljahresende alle Schulen ihr schulinternes Medienkonzept auf Grundlage des Medienkompetenzrahmens NRW weiterentwickelt haben.
Für die Erarbeitung der neuen Medienentwicklungsplanung sowie zur Erstellung der technisch-pädagogischen Einsatzkonzepte (TPEK) hat die Schulverwaltung jeweils eine „virtuelle“ Arbeitsgruppe für Grund- und weiterführende Schulen eingerichtet, die auch von den Medienberatern des Kreises Sie-gen-Wittgenstein unterstützt werden. Hier sollen grundsätzliche, möglichst einheitliche Standards im voranschreitenden Digitalisierungsprozess schulübergreifend vorberaten werden.
Das für die Förderung durch den DigitalPakt NRW erforderliche „technisch-pädagogische Einsatzkonzept (TPEK)“ ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Gesamtkonzeptionierung der IT-Ausstattung einer Schule, denn es beschreibt nicht nur technische Bedarfe, sondern beispielsweise auch die Qualifizierungsplanung der Lehrkräfte. Liegt für alle städtischen Schulen ein vollständiges TPEK vor, hat der Schulträger die Möglichkeit, die Gesamtkonzeptionierungen aller seiner Schulen zu einem schulträgerweiten Gesamtkonzept der lernförderlichen IT-Ausstattung zusammenzufassen. Dies bildet eine solide Grundlage für die Finanz- und Haushaltsplanung.
Seit Januar 2020 werden die Siegener Gesamtschulen, Gymnasien und das Weiterbildungskolleg durch die Südwestfalen-IT (SIT) supportet. Es ist mittelfristig vorgesehen, die SIT mit dem Support aller städtischen Schulen zu beauftragen.
Um für die Zukunft gut gerüstet zu sein, hat die SIT im vergangenen Jahr einen Facharbeitskreis Schul-IT ins Leben gerufen, welcher Fragestellungen rund um das Thema Schul-IT berät und Entscheidungen für den Beirat vorbereitet. Die Stadt Siegen ist als größte Kommune im Zweckverband stimmberechtigtes Mitglied im Facharbeitskreis.
Der Facharbeitskreis soll die Beteiligung der Verbandsmitglieder bei der Beratung von Themen sicherstellen, die Auswirkungen für alle beteiligten Kommunen haben können. Denn mit der steigen-den Anzahl zu betreuender Schulen geht auch eine Erweiterung der zu betreuenden Systeme einher.
Um die Diskussion über begründete Standards zu erleichtern, berät der Facharbeitskreis vor dem Hintergrund der aktuellen Unterrichtssituation u.a. ob und welche Lernmanagementsysteme (LMS) in das Produktportfolio der SIT aufgenommen werden sollen.
Aktuell betreut die SIT in ihrem Verbandsgebiet überwiegend die vom Bundesland Rheinland-Pfalz (kostenfrei) bereitgestellte schulische Netzwerklösung MNS+ sowie die (kostenpflichtige) Softwarelösung NetMan for Schools. Ein Lernmanagementsystem (engl. Learning Management System) ist eine Lernplattform zur Umsetzung von E-Learning.
Der Facharbeitskreis Schul-IT hat die SIT kürzlich beauftragt, sämtliche die im Verbandsgebiet der SIT eingesetzten LMS zu ermitteln. Auf Grundlage der Ergebnisse berät der Facharbeitskreis Schul-IT, ob eine Erweiterung des Produktportfolios oder eine Produktkonsolidierung innerhalb des Verbands anzustreben ist und spricht eine Empfehlung an den Beirat aus. Die Umfrage wird derzeit durchgeführt und deren Ergebnisse im Juni dem Facharbeitskreis Schul-IT präsentiert.

Frage 1:
Sieht die Verwaltung einen Bedarf für die Ertüchtigung der Schulen für den Bereich Home Schooling?
Die Siegener Schulen waren – wie alle Schulen – durch die Schulschließungen Mitte März als Schutz-maßnahme gegen die COVID-19 Pandemie angehalten, das Lernen von zu Hause in wenigen Tagen zu organisieren. Hier konnte bisher kaum eine Schule belastbare Erfahrungen auf-weisen. Der Wechsel auf Fernlehre erforderte Umstellungen, sowohl seitens der Lehrerschaft als auch bei den Schülern bzw. Klassen. Viele Schulen haben mit starkem Engagement bei den Lehrkräften kurzfristig innovative, wenn teilweise auch eher provisorische Konzepte kreiert.
Wenn der Unterricht auf absehbare Zeit weiter aus einer Mischung von Präsenzunterricht und digitalem Lernen von zu Hause aus bestehen sollte, müssen möglichst alle Schülerinnen und Schüler (und auch alle Lehrerinnen und Lehrer!) über digitale Endgeräte verfügen.
Ein Bedarf für die „Ertüchtigung“ im Bereich Home Schooling (Hausunterricht) besteht insoweit, als dass in vielen Schulen ein langfristiges Konzept sowie Mindeststandards für den Fernunterricht er-stellt werden müssen. Aus Schulträgersicht besteht die Herausforderung darin, die Infrastrukturlücke zu schließen sowie eine Lernplattform bzw. Learning Management System zur Verfügung zu stellen. Zur verstärkten Nutzung von mobilen Endgeräten in den Schulen bedarf es in absehbarer Zeit neben einem Breitbandanschluss über Glasfaser, vor allem einer strukturierten Verkabelung (Netzwerk- und Elektroverkabelung) im Schulgebäude und eine WLAN-Infrastruktur bis in die Unterrichtsräume. Dazu gehört außerdem Präsentationstechnik in jedem Unterrichtsraum und ein störungsfreier Betrieb und Support. Zur Schaffung bzw. Gewährleistung dieser IT-Grundstrukturen dienen überwiegend die Mittel aus DigitalPakt Schule, die kurz- und mittelfristig aber durch städtische Gelder ergänzt werden müssen.
Frage 2:
Gibt es Planungen für die Ausstattung von Schülern mit für das Home Schooling geeigneten Geräten? Wenn nein: Wann ist mit dieser Planung zu rechnen?
Bezüglich der schulischen Ausstattung mit Endgeräten werden zwei unterschiedliche Ausstattungsvarianten unterschieden:
- das heterogene »Bring your own Device (BYOD)«, bei dem die an Schule Beteiligten ihre eigenen Geräte mitbringen
- die homogene Ausstattung durch Vorgabe von Geräten oder Anschaffung bestimmter Geräte durch den Schulträger bzw. die Schule
„BYOD entlastet zwar im Bereich der Anschaffungskosten und der Wartungskosten, birgt aber höhere Aufwendungen im Bereich der technischen Einbindung, der pädagogischen Konzeption und der IT-Sicherheit. Eine homogene Ausstattung kann die didaktische und technische Einbindung in den Schul-betrieb erleichtern, Anschaffung- und Wartungskosten müssen allerdings bedacht werden.“ (Medienberatung NRW, Münster / Düsseldorf, 1. Auflage 2017: Lernförderliche IT-Ausstattung für Schulen. Orientierungshilfe für Schulträger und Schulen in NRW, S. 16).

Bisher gibt es weder bundesweit, noch durch das MSB NRW oder den Schulträger festgelegte, allgemeingültige Regelungen und Konzepte, was sich auch an der fehlenden Regelung für die Finanzierung der Endgeräte verdeutlicht.
In den städtischen (weiterführenden) Schulen gibt es einige, wenige Einzelfälle in denen auf Basis der Entscheidungen der Schulgremien Tablet-Klassen auf Basis des BYOD-Modells eingerichtet wurden. Ebenso wurden alternativ Endgeräte aus dem durch den Schulträger zur Verfügung gestellten Budget angeschafft.
Die Stadt Siegen befindet sich zurzeit in der Planung und Antragstellung zur Umsetzung des Digital-Pakt Schule. Dieser sieht nicht primär die Förderung von Endgeräten vor, sondern die Errichtung und Verbesserung sowie die Modernisierung der IT-Infrastruktur in den Schulen (siehe oben). Die Stadt Siegen richtet ihre Planungen hiernach aus und hat auch bereits eigene Haushaltsmittel hierfür bereitgestellt.
Mit dem DigitalPakt Schule könnten auch mobile schulgebundene Endgeräte gefördert werden, allerdings ist hierbei die (finanzielle) Begrenzung nach § 3 Abs. 6 c der Verwaltungsvereinbarung zu beachten.
Aufgrund der aktuellen Corona-Pandemie hat der Bund am 22. April 2020 beschlossen, zusätzliche Mittel zum DigitalPakt Schule i.H.v. 500 Mio. Euro für mobile Endgeräte sowie für die Ausstattung der Schulen zur Erstellung von Online-Lehrangeboten bereitzustellen. Gegenwärtig arbeiten Bund und Länder daran, das Sofortausstattungsprogramm für Schülerinnen und Schüler aus finanziell nicht gut aufgestellten Familien kurzfristig umzusetzen. Ein entsprechender Entwurf zur Zusatzvereinbarung wird zurzeit zwischen dem Bund und den Ländern abgestimmt; die Zusatzvereinbarung zum Digital-Pakt Schule soll kurzfristig durch die Länder umgesetzt werden.
Dabei ist vorgesehen, dass die Mittel auf die Länder nach dem Königsteiner Schlüssel verteilt werden (für Nordrhein-Westfalen rd. 105 Mio. Euro). Die mit den Mitteln angeschafften Geräte sollen durch die Schulträger auf die Schulen verteilt werden, um möglichst einem hohen Anteil an Schülerinnen und Schülern digitales Lernen zu Hause, unterstützt mit mobilen Endgeräten (Laptops, Notebooks und Tablets mit Ausnahme von Smartphones), zu ermöglichen. Hierbei spielt der besondere Bedarf aus Sicht der Schulen zum Ausgleich sozialer Ungleichgewichte eine bedeutende Rolle. Daher sollen die beschafften Geräte im Wege der Leihgabe von den Schulen den Schülerinnen und Schülern zur Verfügung gestellt werden. Eine individuelle Bedürftigkeitsprüfung ist nicht vorgesehen.
Frage 3:
Gibt es eine Planung für den Einkauf von Lizenzen für digitale Medien für das Home Schooling?
Im Zusammenhang mit den zentralen Fragestellungen
- Wie kann Distanzlernen mit Qualität ausgestaltet werden?
- Was sind Qualitätskriterien für das Lernen?
- Wie können alle Schülerinnen und Schüler erreicht werden und welche Bedingungen müssen für die Aufrechterhaltung von guten Lehr-Lernprozessen bereitgestellt werden?
steht der Begriff „Lernmanagementsystem“ (LMS), welcher in der Regel webbasierte Softwareprodukte, die Lehr- und Lernprozesse unterstützen sollen und in denen digitale Lehrmaterialen verwaltet werden können, beschreibt. LMS ermöglichen die Bereitstellung von Lerninhalten, die Organisation von Lernvorgängen und die Kommunikation zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen über eine Online-Plattform.
Mit den städtischen (weiterführenden) Schulen wurde verabredet, einerseits die Planungen und Ergebnisse im Facharbeitskreis der SIT abzuwarten und zur Kenntnis zu nehmen, anderseits eine über-greifende Nutzung von "Microsoft Teams" – eine Software-Lösung für die Kommunikation innerhalb von Teams – zu überprüfen. Einige Schulen haben dieses umfangreiche Chat-Tool in den vergangenen Wochen (erfolgreich) erprobt. Es wird eine schulübergreifende Soft-ware-Lösung angestrebt. Eine konkrete Planung für den Einkauf von Lizenzen für digitale Medien besteht derzeit (noch) nicht.
Frage 4:
Gibt es Rückmeldungen von den Schulen bezüglich des Erfolges oder des Misserfolges der Beschulung von Schülerinnen und Schüler während der Schulschließungen?
In einer gemeinsamen Arbeitskreis-Videokonferenz (s. o. Ziff. 1) wurden überwiegend positive Rückmeldungen zum „Unterricht zu Hause“ gegeben. Wünschenswert sei eine zukünftige schuleinheitliche Nutzung von (Kommunikations-)Tools und Kanälen. Hier ist die Schulverwaltung bestrebt, eine möglichst einheitliche Plattform den Schulen anzubieten. Das Letztentscheidungsrecht verbleibt aber bei der einzelnen Schule.


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